Ich bin 35 – Zeit sich Dinge einzugestehen

Wie lange darf man sich eigentlich Dinge noch einreden?
Also, wenn man mal gut in etwas war, wann sollte man aufhören zu denken, dass man es noch immer ist?
Dass man noch immer mithalten kann mit all denen, die den gleichen Sport machen, aber mehr als zehn Jahre jünger sind?

Also mal Real Talk:
Ich könnte auf jeden Fall noch mithalten. Wenn ich nur wollen würde.

Aber ich will gerade nicht. (lol)

Spaß beiseite. Ich rede vom Rollhockey.
Das konnte ich mal. Das kann ich auch immer noch.
Aber um das auch wirklich umsetzen zu können, würde es unfassbar viel Aufwand brauchen.
Aufwand, den ich irgendwie nicht mehr betreiben möchte.

Und so ein 1990er-Körper geht halt auch schneller kaputt. Und bleibt dann auch länger angeschlagen.
Ich weiß, wovon ich rede, hab ich doch in der Rollhockey-Saison 2024/2025 versucht, nochmal zu alter Stärke zu finden.

Und was soll ich sagen …
Ich war auf dem Weg, wieder fitter zu werden. Auf ein Level zu kommen, auf dem ich mich wieder wohlgefühlt hätte.
Und dann bin ich in einem „Zweikampf“ dumm gefallen. Rippen geprellt. Hand gebrochen.

Drei Bundesligaspiele und (wenigstens) ein Tor später war die Saison also für mich vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte.


Aber warum hab ich mir das eigentlich angetan?

Warum habe ich nach vier Jahren aktiver Pause nochmal Hockey spielen wollen?
Außer einem Meistertitel hatte ich doch eigentlich alles erreicht …

Ich kann’s nur so erklären:
Irgendwas hat gefehlt.

Ich hab viele Sportarten ausprobiert, um diese Lücke zu füllen.
Von CrossFit über 70.3-Ironman-Wettkämpfe.

Alles irgendwie cool – aber anders.

Wenn man in einer Hockeymannschaft spielt, die eigentlich jedes Jahr Titelanwärter ist,
und dazu noch lange Teil der Senioren-Nationalmannschaft war, dann fühlt es sich einfach seltsam an, wenn man plötzlich andere Sportarten macht.

Selbst wenn man beim Ironman dann eine Zeit hinlegt, die man sich vorgenommen hat:
Ich wollte unter sechs Stunden bleiben bei meinem ersten 70.3.
Hab ich auch geschafft.
Schwimmen unter einer Stunde.
Radfahren unter drei Stunden.
Laufen unter zwei.

Hab ich alles geschafft.
Ziel erreicht.
Oder?
Nee, man.

Weißt du, was das Einzige war, das ich direkt nach dem Wettkampf gedacht habe?
Hm. Irgendwie bin ich gar nicht so richtig im Arsch … hätte wohl irgendwo schneller machen können.

Und bei den Ergebnissen hab ich nicht gesehen: „Halbmarathon unter zwei Stunden“ oder „Gesamtzeit: 5:51 std“.
Weißt du, was ich gesehen habe?

1.007 von 1.420.

Und damit konnte ich lange nicht umgehen.


Klar, Ziel erreicht … und zeig mir die Leute, die überhaupt schon mal einen 70.3 gemacht haben.
Scheiße, zeig mir die Leute, die einen halben unter zwei laufen – ohne vorher geschwommen und Rad gefahren zu sein.

Und trotzdem:
Es zählen nicht die Leute, die es nicht schaffen.
Es zählen nur die 1.006 Leute vor mir.

Ey, dass diese Denke dumm ist, darüber müssen wir nicht diskutieren.
Aber du änderst da auch nix dran.

Selbst jetzt, fünf Jahre später – wo ich klar sagen kann, dass das Quatsch ist und ich auch verstehe, dass das eine Leistung ist, auf die man stolz sein könnte sitz ich hier und kann die Leistung nicht anerkennen.

Tief in mir drin ist ein so verzerrter Leistungsgedanke verankert,
der so dumm ist, dass ich ihm eh nie gerecht werden kann.

Aber was zur Hölle soll ich machen?


Na ja, bestimmt nicht das, was ich die letzten Jahre gemacht habe:
Mich auf vermeintlichen sportlichen Erfolgen in einer unwichtigen Randsportart ausruhen
und immer sagen:

„Gib mir zwei Monate, und ich spiel wieder oben mit.“

Wer weiß … in einer idealen Welt wäre das bestimmt möglich gewesen.
Aber nicht nur wird der Körper älter und bräuchte eigentlich mehr Zeit, um wieder an alte „Leistungen“ anzuknüpfen …

Auch die Prioritäten und die generellen Lebensumstände haben sich verändert.
Man braucht mehr Regeneration.
Man muss mehr im Beruf funktionieren.
Man hat eine Familie.
Man hat – grundsätzlich – einfach weniger Zeit.
Und bräuchte dabei doch eigentlich mehr.

Ey, und was soll ich sagen …
Wenn man aus einem Sport kommt, der körperlich so fordernd ist (Gott, hätte ich damals schon ein WHOOP gehabt), dann ist es einfach schwer, die eigene Fitness zu halten, wenn man nicht mehr viermal die Woche trainiert und Spiele hat.

Man wird alt und faul.
Versucht nochmal nach einem Strohhalm zu greifen, der sich „Ironman“ nennt.
Aber das Einzige, was man sich dabei antrainiert, ist, dass der Körper jetzt denkt, er braucht ständig 4.500 Kalorien.

Junge, aber eins kann ich dir sagen:
Hör besser niemals auf mit dem Sport.

Der scheiß Körper hat sich an 4.500 Kalorien (und mehr) gewöhnt.
Und der ist nicht so drauf:
„Ach, wir machen weniger oder keinen Sport mehr? Geil, dann gib mal nur noch die Hälfte an Essen.“

Gar kein Problem.

So läuft das nicht.

Konditionierung kann ein Hurensohn sein.


Und ey, versteh mich nicht falsch:
Wenn wir uns auf der Straße sehen, würdest du (hoffentlich, Alter…) nicht denken, dass ich übergewichtig bin.

Ich wieg auch das Gleiche wie immer.
Hat sich halt nur Muskelmasse in Fett verwandelt.
Das sieht man eigentlich nur nach dem Duschen vor dem Spiegel.

Und trotzdem stört’s mich. Auch wenn ich nicht gerade aus der Dusche komme.

Es ist einfach schwer, eine Routine aufrechtzuerhalten, wenn man komplett selbst dafür verantwortlich ist.
Niemand wartet dienstags auf mich, dass ich um 20 Uhr auf dem Platz stehe.
Selbst dem Ironman war das egal. Der war halt irgendwann, aber der hat keinen Fick drauf gegeben, ob ich meinen Trainingsplan durchgezogen hab oder mir nen Tag mehr Pause gegönnt hab.


Mal im Ernst:
Wer macht schon gerne Sport einfach nur, um gesünder zu sein?
Da kann man sich doch schlecht mit irgendwem messen.
Was soll das dann also?!


Ja, willkommen in meinem Kopf.

Irgendwie ne ungesunde Einstellung zu allem.
Aber fang jetzt nicht an mit: „Dann denk doch einfach anders drüber.“

No. Shit. Sherlock.

Wenn alles so einfach wäre, dann hättest du auch keine Bildschirmzeit von vier Stunden am Tag, sondern könntest das Teil einfach mal zur Seite legen.

Ich weiß schon, was richtig ist.
Aber Wissen und Umsetzen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.


Und jetzt hab ich mich so krass in meinem Kopf verrannt, dass ich den kompletten Grund dieses Beitrags unfassbar verfehlt habe.
Jetzt wieder die Kurve zu kriegen, würde aus dem Ganzen hier eine Kurzgeschichte machen.

Vielleicht sollte ich doch einfach in eine Kamera reden, dann muss das wenigstens keiner lesen.

Wer weiß, was noch kommt.

Ist halt geil genug, dass diese Seite hier schon wieder mein 27. Versuch ist, ein Projekt zu starten.
Aber wie sagt man so schön:

„Lieber zwölf Dinge anfangen und nicht beenden, als gar nichts anfangen.“
(Sagt das jemand???)


Von daher:

Willkommen bei meinem nächsten Projekt:
The Hybrid Penguin.

Im nächsten Beitrag erzähl ich dann auch, was es damit auf sich hat.

Versprochen.

Hoffe ich.

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